Strafverteidigung Internet- und Sexualstrafrecht

Verfahren aus dem Bereich des Sexualstrafrechts stellen in vielerlei Hinsicht besondere Anforderungen an die Strafverteidigung.

Strafrecht: Internet/Computerstrafrecht

Strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes oder des Verbreitens indizierter Schriften und Daten (z.B. von Kinderpornographie) haben im Zusammenhang mit der Internetnutzung und Internetkriminalität im Strafrecht einen eigenen Stellenwert. Regelmäßig kommt es zu Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen. Vorsorglich sollte ein Beschuldigter umfassend vom Aussageverweigerungsrecht während der Hausdurchsuchung Gebrauch machen (siehe Aussageverweigerungsrecht). Die Strafverfolgungsbehörden stellen Computer und Datenträger sowie sämtliche Speichermedien Zwecks späterer Auswertung sicher. Gelöschte oder vermeintlich gelöschte Daten werden im Zuge der Ermittlungen und Auswertungen von Festplatten wieder hergestellt.

Sexualstrafrecht

Verfahren, die Missbrauchsvorwürfe zum Gegenstand haben, sind für den Beschuldigten sehr risikobehaftet. Die Beweismöglichkeiten sind häufig eingeschränkt, was in der Natur der Sache liegt. Daher ist es von ausschlaggebender Bedeutung, die richtigen Strafverteidigungsansätze zu erarbeiten und umzusetzen. Zudem trifft man in diesen Verfahren nicht selten auf die Mitwirkung der Nebenklage, die in der Hauptverhandlung neben den staatlichen Strafverfolgungsinteressen das individuelle Opferinteresse gegen den Angeklagten verfolgt. Zwangsläufig erfordert dies eine aktive Auseinandersetzung, um als Strafverteidiger dem Mandanten einen effektiven Rechtsschutz in der gerichtlichen Hauptverhandlung zu ermöglichen.

Auch hier gilt es, rechtzeitig die Risiken des Strafverfahrens zu erkennen und die Strafverteidigung so auszurichten, entweder einer falschen Anschuldigung entschlossen entgegenzutreten oder einem berechtigten Vorwurf durch zielgerichtete Rechtsfolgen bzw. Strafzumessungsverteidigung frühzeitig Rechnung zu tragen. Denn speziell in diesem Bereich der Strafverteidigung können die Auswirkungen des Aussageverhaltens und die sich daraus ergebenden Konsequenzen weitaus gravierender sein als man es selbst einzuschätzen vermag. Im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung wirken sich die Folgen (so zum Beispiel im Fall einer Unterbringung in einer forensichen Einrichtung) nicht nur während des Strafvollstreckungsverfahren aus. Darüber hinaus kann selbst noch nach vollständiger Strafverbüßung Führungsaufsicht angeordnet werden.

Die Beurteilung des Aussageverhaltens (Aussageverweigerung/Tatleugnung/Tateingeständnis) erweist sich auch noch nach rechtskräftigem Abschluss des gerichtlichen Strafverfahrens während des gesamten Strafvollzugs als bedeutend. Dies beginnt schon im Zusammenhang mit der Einweisungsentschließung der Justizvollzugsanstalt und setzt sich in späteren Stellungnahmen zur Frage der Eignung für Lockerungen oder Ablehnung einer vorzeitigen Entlassung zum 2/3 Strafverbüßungszeitpunkt etc. bis zu den Entscheidungen der Strafvollstreckungsgerichte fort. Zudem kann Führungsaufsicht gerichtlich angeordnet werden. Das Strafrecht sieht auch die Möglichkeit vor, dass Führungsaufsicht eintritt, wenn keine vorzeitige und bedingte Entlassung aus der Strafhaft während der Strafvollstreckung erfolgt ist. Der Beschuldigte bzw. Angeklagte hat im Strafverfahren somit weitreichende Konsequenzen im Falle einer späteren und rechtskräftigen Verurteilung zu befürchten.

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